Bremsen Belohnungen die Motivation von Kindern? So finden Sie das Gleichgewicht zwischen Lob und Belohnung
Im Voraus versprochene materielle Belohnungen wie „Wenn du das machst, bekommst du X“ können die Lust senken, etwas um seiner selbst willen zu tun (intrinsische Motivation) – und dieser Effekt war bei Kindern besonders stark (Deci et al., Metaanalyse von 128 Experimenten). Unerwartete Belohnungen danach hatten keinen Effekt. Setzen Sie Belohnungen daher nur kurz ein, bauen Sie sie ab, sobald die Gewohnheit sitzt, und kombinieren Sie sie mit Lob und gemeinsamer Zeit.
Was sagt die Forschung über Belohnungen?
Die bekannteste Forschung zu Belohnung und Motivation ist eine Metaanalyse von 128 Experimenten des Teams um den Psychologen Edward Deci (1999, Psychological Bulletin). Das sind die wichtigsten Ergebnisse.

- Im Voraus versprochene materielle Belohnungen: Senkten die intrinsische Motivation deutlich, und der Effekt war bei Kindern besonders stark.
- Unerwartete Belohnungen: Belohnungen, die man nach getaner Aufgabe überraschend erhielt, hatten keinen Effekt auf die intrinsische Motivation.
- Verbales Lob (positives Feedback): Steigerte die intrinsische Motivation bei Studierenden, zeigte bei Kindern aber keinen klaren Effekt. Die Autoren erklären zudem, dass Lob in kontrollierendem Ton sie sogar senken kann.
Die Forschenden folgern daraus, dass man bei belohnungszentrierten Motivationsmethoden sehr vorsichtig sein sollte. Beachten Sie aber: Gemessen wurde die intrinsische Motivation für „Tätigkeiten, die man ohnehin interessant findet“. Ob das genauso für Dinge gilt, die Kinder von Anfang an nicht mögen – wie Zähneputzen –, lässt sich kaum sicher sagen.
Sollte man Stickertabellen also lieber meiden?
Nicht unbedingt. Die US-Gesundheitsbehörde CDC und die Amerikanische Akademie für Kinderheilkunde (AAP) sagen, dass Belohnungen helfen können, erwünschtes Verhalten zu fördern, und betonen dabei den richtigen Einsatz. Metaanalyse und Empfehlungen zusammengenommen ergeben Folgendes.
- Belohnungen kurz, als „Starthilfe“: Die AAP rät, die Tabelle nach und nach zu beenden, wenn das Kind das Verhalten beherrscht und die Punkte vergisst oder das Interesse verliert.
- Soziale Belohnungen vor Dingen: Laut CDC sind soziale Belohnungen wie Lob, Umarmungen und High Fives sowie gemeinsame Zeit oft wirkungsvoller als Dinge und leichter zu geben.
- Lob, das nicht kontrolliert: Statt „Du hast gemacht, was Mama gesagt hat“ benennen Sie, was Ihr Kind von sich aus getan hat, etwa „Du hast ganz von allein mit dem Zähneputzen angefangen“. Die Forschenden erklären, dass Lob in kontrollierendem Ton die Motivation senken kann.
- Ab und zu eine Überraschung: In der Forschung beeinflussten unerwartete Belohnungen die intrinsische Motivation nicht. Statt immer Belohnungen zu versprechen, mischen Sie gelegentlich überraschendes Lob und gemeinsame Zeit hinein.
- Gegebene Belohnungen nie wegnehmen: Die CDC rät, verdiente Belohnungen auch bei Fehlverhalten nicht wegzunehmen.
Wie setzt man Belohnung und Lob gemeinsam ein?
Nutzen Sie Punkte als Starthilfe für eine Gewohnheit und geben Sie bei jeder Bestätigung ein konkretes Lob dazu. Legen Sie Belohnungen gemeinsam als Familie fest – auch nicht-materielle wie gemeinsame Zeit können auf die Liste.

Häufige Fragen
Denkt mein Kind durch Stickertabellen nur noch an Belohnungen?
Das kann passieren. In der Metaanalyse (Deci et al. 1999) senkten im Voraus versprochene materielle Belohnungen die intrinsische Motivation von Kindern. Setzen Sie Belohnungen daher nur kurz ein, bauen Sie sie ab, sobald die Gewohnheit sitzt (AAP), und kombinieren Sie sie mit sozialen Belohnungen wie Lob und gemeinsamer Zeit (CDC).
Reicht Lob allein nicht aus?
In derselben Metaanalyse wirkte verbales Lob bei Studierenden, zeigte bei Kindern aber keinen klaren Effekt. Empfohlen wird, beim Loben konkret die Anstrengung und das, was das Kind von sich aus getan hat, zu benennen statt des Ergebnisses (CDC · AAP).
Wann sollte man mit Belohnungen aufhören?
Die Amerikanische Akademie für Kinderheilkunde (AAP) rät, sie nach und nach zu beenden, wenn das Kind das Verhalten beherrscht und die Punkte vergisst oder das Interesse verliert.
Quellen
- Deci, Koestner & Ryan (1999) — A meta-analytic review of experiments examining the effects of extrinsic rewards on intrinsic motivation, Psychological Bulletin 125(6)
- Deci, Koestner & Ryan (2001) — Extrinsic Rewards and Intrinsic Motivation in Education: Reconsidered Once Again, Review of Educational Research
- US-Gesundheitsbehörde CDC — Using Rewards
- Amerikanische Akademie für Kinderheilkunde (AAP) HealthyChildren — Positive Reinforcement Through Rewards
Dieser Artikel enthält allgemeine Erziehungsinformationen auf Basis von Materialien offizieller Organisationen und ersetzt keine Diagnose oder Behandlung. Wenn Sie sich um die Gesundheit oder Entwicklung Ihres Kindes sorgen, wenden Sie sich an eine Fachperson, etwa an Kinderärztin, Kinderarzt oder Kinderzahnarztpraxis.